Während ich diesen Text schreibe, sitze ich an einem ganz normalen Wochentag an meinem Schreibtisch. Zumindest hält die Normalität langsam Einzug in einer völlig aufgewirbelten Welt. Ich lasse die letzten Wochen nochmals Revue passieren. Hätten wir Ende Februar jemals gedacht, dass wir uns in so einer Situation befinden werden? Abgeschottet vom Alltagsleben. Isoliert in den eigenen vier Wänden. Und doch ist unser Gehirn dazu in der Lage sich immer wieder auf neue Gegebenheiten anzupassen, sodass sich aus den scheinbar besonderen Zuständen eine gewisse Normalität entwickelt. Die letzten Wochen erlebte ich als wirbelig, aufbrausend, mit Höhen und Tiefen bestückt. Das, was sich im Aussen abspielte, hat sich wunderbar auf mein Inneres abgefärbt. Immer wieder kamen Gefühle oder Gedanken, die mich zu überwältigen drohten. In einer Situation, in der das Weltgeschehen auf den Kopf gestellt wird.

Wir scheinen in Warteposition zu weilen, bis ein grosser Sturm über uns hinweg fegt. Ein sehr grosser Sturm. Der über mehrere Wochen hin andauert. Und doch dreht sich in diesem Sturm paradoxerweise die Welt ein Stückchen langsamer. Zumindest kommt es mir so vor. Es ist, als ob jeder für sich abgeschottet in den eigenen vier Wänden in einer Seifenblase sitzt, währenddessen draussen das herrlichste Frühlingswetter ist. In jener Jahreszeit, in der die Natur neu erwacht.

Die Umstände kann ich inzwischen gut annehmen. Es geschah jedoch nicht von jetzt auf gleich. Es war und ist ein Prozess. Das Annehmen ist ein wichtiger Schritt. Um ins Handeln zu kommen und zu hinterfragen, was in dem Moment bedeutsam ist. Das kann für jedermann unterschiedlich sein, aber meiner Meinung nach ist es in dieser Situation zentral, dass wir für unser Wohlbefinden sorgen. Für uns selbst, aber vor allem für unsere Mitmenschen. Um gestärkt die Herausforderungen anzunehmen, die gegenwärtig sind. Und die noch auf uns zukommen. Auch nach dem Sturm.

Dafür braucht es Zentrierung. Sich immer wieder sammeln, anpassen, neu ausrichten. Es ist eine Möglichkeit, in die Innenschau zu gehen. Das eigene Leben zu hinterfragen. Herausfiltern, was im eigenen Leben wichtig ist. Überflüssiges loslassen. Eigene Themen klären. Und sich dem Fluss des Lebens hingeben ohne es permanent kontrollieren zu wollen.

Sich zu zentrieren hilft aber auch, die eigenen Gedanken zu ordnen und zu strukturieren. Insbesondere in Zeiten, wenn Sorgen und Ängsten den Geist völlig ummanteln. Wir dann in der Denkspirale hängen. Raus aus dem Kopf, rein in den Körper. Eine wunderbare Methode dafür ist die Arbeit mit dem Atem. Der Atem lässt uns wieder mit unserem Körper in Kontakt treten. Und schafft somit einen Abstand zwischen mir und dem Gedanken, der mich einnebelt.

Die folgende Übung kann in stürmischen Zeiten

sehr zentrierend wirken.

Dauer: ca 5 min

Wann: täglich

  1. Aufgerichtete Sitzposition – stabil und leicht auf einem Sitzkissen auf dem Boden oder auf einem Stuhl
  2. Beobachten, wie der Atem natürlich ein- und ausströmt
  3. Nun fliesst der Atem mit dem nächsten Einatmen über die Sitzbeinhöcker von unten durch den Körper bis hoch zur Schädeldecke – wie ein Wasserkrug, der sich langsam füllt
  4. Und mit dem Ausatmen den Luftstrom wieder langsam Richtung Boden sickern lassen – anstrengungslos und subtil
  5. Sich dabei vorstellen, wie mit jedem Atemzug Nährstoffe aus dem Boden unseren Körper durchfluten und uns nähren
  6. Den Zyklus für ein paar Minuten aufrecht erhalten
  7. Dann wieder zum natürlichen Fluss des Atem zurückkehren und wahrnehmen, wie es sich anfühlt

Diese Atemübung ist sehr kraftvoll. Sie kann auch kombiniert werden, mit einer anschliessenden Meditation oder leichten Körperübungen. Aber auch eigenständig ausgeführt werden, wenn wir uns aufgewirbelt fühlen oder in unserem Kopf festhängen. Manchmal baue ich diese Übung auch draussen auf einem Spaziergang ein. Dann setze ich mich aufgerichtet auf eine Bank. Denn die Geräusche der Natur können dabei sehr unterstützend wirken, die Gedanken ziehen zu lassen und uns auf unseren Atem zu konzentrieren.

Ja, der Coronasturm wird noch ein Weilchen um uns herum fegen. Er wird immer wieder unsere Aufmerksamkeit von uns wegziehen. Doch wir können etwas dafür tun. Uns immer wieder zu sammeln um dann zentrierter durch diesen Sturm zu wandern. Für uns selbst und für uns alle. Denn wir sitzen alle im gleichen Boot, oder nicht?

Bleib gesund und schaue auf dich.

Karolin