Heute möchte ich dir gerne ein wenig näher erläutern, wie mein Coaching aufgebaut ist. Ich finde es oftmals sehr spannend, zu erfahren, wie Coaches arbeiten und wie sie ihre Sitzungen strukturieren. Aber nicht nur unter Kollegen, sondern auch bei Personen, die hinter einer Dienstleistung stecken, die ich gerne in Anspruch nehmen möchte, bin ich neugierig mehr über ihre Arbeit zu erfahren. Und da kam mir der Gedanke, dass dies vielleicht für dich auch relevant sein könnte, einen Einblick in meine Arbeit zu bekommen.

In meinem ersten Artikel zum mindful coaching – was steckt dahinter (Teil 1)  habe ich bereits über die Bedeutsamkeit des Nervensystems für meine Arbeit erzählt. Heute möchte ich vor allem auf den Inhalt und die Struktur eingehen, wie eine mindful coaching Sitzung (oder besser gesagt „Walk“, denn wir bewegen uns grösstenteils 🙂 ) abläuft.

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Das Gerüst eines mindful coaching Walks ist folgendermassen:

Regulierung des autonomen Nervensystems

Im ersten Teil der Session liegt der Fokus auf der Aktivierung des parasympathischen Systems damit wir uns sicher und geborgen fühlen. Erst wenn wir aus der eigenen Stressreaktion ausgetreten sind, erlangen wir die Kapazität hinter die eigenen Kulissen zu schauen, warum wir eigentlich so gestresst sind. Dabei ist es genau die Kombination aus Bewegung, Atmung und Natur, die es ausmacht und unseren Parasympathikus stimuliert. Raus aus dem Modus des Tuns, rein in den Modus des Seins. Aus diesem Grund beginnen wir unsere Session mit spezifischen Geh- und Atemübungen.

Das Gehen hilft uns dabei, unseren Geist zu beruhigen. Es gibt mittlerweile viele wissenschaftliche Belege, dass Spazierengehen das Risiko von psychischen Erkrankungen senkt. (1) 

Auch die Atmung unterstützt uns dabei zu entspannen. Das Wissen um den gesundheitlichen Effekt des bewussten Atems, auch Pranayama genannt, hat in der jahrtausendealten Yogaphilosophie einen grossen Stellenwert. Mittlerweile findet auch die moderne Wissenschaft immer mehr Belege, das bewusste Atemübungen einen grossen Einfluss auf unser Stresslevel haben können. (2)

Nicht zuletzt ist es die Natur, die sich ebenfalls positiv auf unsere mentale Gesundheit auswirkt. Dies hat unter anderem der japanische Professor Yoshifumi Miyazaki erkannt, der die gesundheitlichen Auswirkungen des Waldes auf den Menschen und das Konzept des Waldbadens, auch „Shinrin Yoku“genannt, erforscht und in die Welt trägt. (3) Neben ihm, gibt es inzwischen zahlreiche Studien, die zeigen, dass ein Aufenthalt in der Natur unseren Stresspegel senken und mentale Erkrankungen, wie Depressionen entgegenwirken kann. (4,5) Warum die Natur für uns so essentiell ist, kannst du auch im folgenden Artikel weiterlesen, den ich für das Mindfulness Magazine geschrieben habe. 

Einen Blick hinter den eigenen Gedankenfirlefanz

Ein grosser Teil des Coachings dreht sich darum, einen Blick hinter den eigenen Gedankenfirlefanz zu bekommen: Gemeinsam wenden wir uns dem Denkprozess zu und geben diesem den nötigen Raum, sich zu entfalten. Konkret bedeutet dies in einem abgesteckten Zeitrahmen die Möglichkeit zu erhalten, „laut zu Denken“ ohne dass der Gegenüber unterbricht. Es ist eine Art Denkpartnerschaft. Der Denkende (der Klient) wendet sich einer bestimmten Thematik zu und kann diese in Ruhe durchdenken, während der Denkpartner seine absolute Präsenz schenkt. Ohne Tipps. Ohne Empfehlungen. Ohne eigene Meinung. Einfach Zuhören. Achtsam Zuhören.

Durch diese Methode werden oftmals Dinge offensichtlich, die vorher unsichtbar waren. Die vielleicht im Alltag einfach untergehen, weil wir so darin involviert sind. Die aber auch im Gespräch untergehen können, weil der Partner das Gespräch auf einmal in eine ganz andere Richtung lenkt. Dadurch werden eventuell Dinge übersehen oder nicht durchdacht, die vielleicht für die jeweilige Person relevant wären.

Dieser Ansatz hat sehr viel mit Achtsamkeit zu tun. Wie wird Achtsamkeit eigentlich definiert? Jon Kabat-Zinn, Molekularbiologe und Gründer des Mindful-Based Stress Reduction Programs beschreibt die Achtsamkeit als eine bestimmte Art des Seins. Es ist eine offene und einladende Zuwendung ohne Wertung auf das, was sich im gegenwärtigen Augenblick einstellt. (6) Für den Klienten und für mich als Coach.

Ich erlebe immer wieder, dass diese nicht-wertende und gegenwärtige Präsenz des Zuhörens eine tragende Rolle dabei spielt, einen Blick hinter den eigenen Gedankenstrom meines Gegenübers zu ermöglichen. Es ist einfach eine andere Qualität des Denkenden. Das offene Gewahrsein für das, was sich in dem Moment präsentiert – ganz ehrlich und direkt.

„Mit deinen Walks kann ich meinen Gedanken eine Struktur geben“.

Das hat einmal eine Kundin zu mir gesagt. Dies bringt es auf den Punkt. Es geht mehr darum, dass Versteckte offensichtlich zu machen. Es zu sehen. Um Klarheit zu schaffen. Erst dann können wir nachhaltig den nächsten Schritt gehen.

Mit dem Sein, was sichtbar ist

Im Anschluss an den Denkteil lassen wir das Ganze erst mal sacken. Wir nehmen wahr, welche Gefühle und Körperempfindungen mit hochgespült worden. Gemeinsam wenden wir uns dem liebevoll zu und beobachten. Durch diesen achtsamen Umgang wird eine weitere Dimension geschaffen, die es ermöglicht teils starke emotionsgeladene Gedanken kommen, und auch wieder gehen zu lassen. Konkret können dies je nach Situation und Klient spezifische Atemübungen oder eine Meditation sein.

Was nehme ich mit in den Alltag

Im letzten Teil des mindful coachings wenden wir uns der Fragestellung zu, was mein Gegenüber aus der Session mitnimmt. Meist ist es eine konkrete Massnahme, die die Person in ihrem Alltag integrieren möchte, um einen bewussteren Umgang mit dem Stress zu bekommen. Manchmal sind es auch mehrere Massnahmen. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass es oftmals nachhaltiger ist, wenn die Aufmerksamkeit auf eine einzelne Aktion reduziert wird. Ganz nach dem Motto „ein Schritt nach dem anderen“.

Diese Art zu coachen unterscheidet sich in einigen Punkten wesentlich vom klassischen Coaching. Das klassische Coaching ist eher kognitiv orientiert, gefüllt mit Zielen und Action Steps. Meist sind wir weiterhin im „Doing“ Modus, welches typischerweise von der Art zu denken charakterisiert ist, sich an die Vergangenheit oder an der Zukunft zu orientieren. Im mindful coaching erkennen wir die gegenwärtigen Gedanken- und Gefühlsmuster. Durch Einsicht kommen eigene Intentionen und kreative Lösungsansätze zum Tragen. Das mindful coaching unterstützt uns dabei in den „Being“ Modus zu wechseln. Dieser ist charakterisiert vom direkten Erleben und Beobachten, was sich im Moment abspielt. Das Unsichtbare wird offensichtlich und wir machen uns damit vertraut. Wir finden Zugang zu uns. Das bringt Struktur und Klarheit.

Falls du Lust hast, mehr darüber zu erfahren, kannst du auch gerne ein Kennenlerngespräch mit mir vereinbaren. Oder einfach direkt eine mindful coaching Session in der Natur mit mir buchen. Hier findest du den Link zu meinem Angebot.

go beyond your thoughts

Ja, hinter die eigenen Gedanken schauen. Das ist es, was meiner Meinung nach so zentral ist, um einen besseren Zugang zum eigenen Stress zu bekommen. Just like „go beyond your thoughts“. Falls du Ideen oder Anmerkungen dazu hast, schreibe mir eine Nachricht.

Karolin

Quellen:

  1. https://www.news-medical.net/health/Does-Walking-Aid-Mental-Health-Problems.aspx
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6137615/
  3. Shinrin Yoku: Heilsames Waldbaden; Yoshifumi Miyazaki; 2018; Irisiana Verlag
  4. https://advances.sciencemag.org/content/5/7/eaax0903
  5. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0924933814785748
  6. Gesund durch Meditation; Jon Kabat-Zinn, 1990/2013; O.W. Barth Verlag