Sie faszinieren mich. Sie wirken auf mich stabil und fest mit einer gewissen Art von Leichtigkeit und Grazilität. Ich liebe ihre Vielfältigkeit. Und die Einzigartigkeit eines jeden Baumes. Ich habe mich schon immer in Gesellschaft von Bäumen wohlgefühlt, wobei das wohl eher unbewusst war, aber meine Neugierde wuchs mehr über das Leben der Bäume kennen zu lernen, als mein Papa mir vor einiger Zeit erzählte, dass Bäume fühlen können und dass sie kommunizieren und dass sie ein soziales Leben führen. Waaaaas? Wirklich?

Schliesslich tauchte ich ein in die Welt der Bäume und deren Geheimnisse wie sie leben. Und dabei entdeckte ich, dass wir den Bäumen Einiges gemeinsam haben und dass für uns von der Art und Weise, wie sie ihr Leben leben ein Vorbild sein können.

Bäume sind (mit)fühlende und kommunizierende Wesen

Seitdem ich das Buch von Peter Wohlleben “Das geheime Leben der Bäume” gelesen habe, betrachte ich die grossen Artgenossen auf meinen Spaziergängen in einem anderen Blickwinkel. Fragen, wie: “Sind die beiden da Bruder und Schwester?” oder “Bekommt der Baum da vorne Unterstützung?” oder “Haben die beiden sich hier besonders lieb?” kommen mir dann in den Sinn.

Denn ich habe gelernt, dass Bäume ein intaktes soziales Leben führen. Sie kommunizieren miteinander, sie behandeln ihren Nachwuchs liebevoll und fürsorglich und sie pflegen alte und kranke Nachbarn. Bäume haben ebenso Empfindungen, Gefühle und ein Gedächtnis.

Ist das nicht unglaublich???

Bäume haben eine hohe Widerstandskraft

Bäume sind perfekt an ihre Umgebung angepasst. Das müssen sie auch, denn sie können nicht vor auftretenden Problemen des Alltags wegrennen. Viel mehr stellen sie sich den Herausforderungen und ziehen Lösungen herbei um nicht einzugehen. So wurde herausgefunden, dass sich z.B. Schirmakazien in der Savanne Afrikas vor Giraffen schützen, die gerne ihre Blätter wegessen. Damit dies nicht geschieht, versprühen die befallenen Akazien ein Warngas an die Artgenossen in ihrer Umgebung. Daraufhin lagern die vorgewarnten Kollegen Giftstoffe ein, um sie vor diesem Unheil bewahren (1).

Doch allein schon ihr einzigartiger Bau verleiht Bäumen eine hohe Angepasstheit gegenüber äusseren Einflüssen. Die Wurzel trägt den Baum. Sie ist meist sehr kräftig und verleiht dem Baum Stabilität und Festigkeit ohne starr zu wirken. Die Wurzel “erdet” den Baum. Aus der Wurzel entfaltet sich der Stamm bis hin zur Baumkrone.

Die Baumkrone ist das Element, welches dem widerstandsfähigem Baum seine Flexibilität verleiht. Flexibilität ist die Gabe, die es schafft sich auf neue Bedingungen einzustellen, wie z.B. dem Wind, der aus einer bestimmten Richtung weht oder die Sonne, die unterschiedlich stark scheint.

Der Stamm ist in diesem Zusammenhang das bindende Element zwischen Wurzel und Baumkrone und essentiell um miteinander in Kontakt zu sein.

Und für eine hohe Widerstandskraft braucht es genau diese Elemente – die Erdung (Wurzel) und die Flexibilität (Baumkrone) und beide miteinander verbunden (Stamm) um widerstandsfähig zu sein und in einer ausgewogenen Balance zu leben.

Wenn ich zwischen all diesen liebevollen Riesen stehe, kann ich die Verbindung auch spüren – die Verbindung zwischen Stabilität und Flexibilität, die Verbindung zwischen Ruhe und Bewegung, die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Die Verbindung zwischen Anspannung und Entspannung.

Wir alle haben den Zugang zur Stabilität und Flexibilität in unserem alltäglichen Leben. Doch passiert es schnell, dass wir einem der Pole zu viel Gewichtung geben und dann aus unserem Gleichgewicht kommen. Sich in der Natur aufzuhalten unterstützt uns dabei die Verbindung von beiden Elementen – der Flexibilität und der Erdung bewusst wahrzunehmen und zu stärken.

Bis bald,

Karolin

(1) Wohlleben, Peter: Das geheime Leben der Bäume