Den folgenden Artikel möchte ich nutzen, dir einen Einblick in die Arbeit von go beyond zu geben. Denn im grossen Dschungel der vielfältigen Coaching- und Gesundheitsangebote ist es gar nicht so einfach, den Durchblick zu behalten. Grundsätzlich beschäftige ich mich in meiner Arbeit mit Stress. Stress ist etwas sehr Vielfältiges und gleichzeitig Individuelles. Jeder kennt es und erlebt es anders. Oftmals höchst unbewusst. Mehr zu diesem Thema findest du in meinem Blogartikel #4 – Stress ein ehrliches Hinschauen. 

Meine Arbeit ist darauf ausgerichtet, die eigenen Stressauslöser zu erkennen, und darauf bewusst zu reagieren mit der Intention eine gute Beziehung zum eigenen Stress aufzubauen. Dabei spielt das Unsichtbare sichtbar zu machen eine entscheidende Rolle.

Doch bevor ich darauf tiefer eingehe, möchte ich einen kleinen Exkurs in unser vegetatives Nervensystem machen, der für die Bewältigung von stressigen Situationen verantwortlich ist. Ein sehr faszinierender Bereich, wie ich finde 🙂 und wesentlich, damit wir uns selbst besser verstehen.

Das vegetative Nervensystem ist der Teil des Nervensystems,

der unsere inneren Organe kontrolliert und koordiniert.

Wir sprechen hier, von:

  • Herz-, Kreislauf- und Atemfunktionen
  • Verdauung, Stoffwechsel und Ausscheidung
  • Wärme und Energiehaushalt
  • Und Sexualfunktionen

Das vegetative Nervensystem wird auch autonomes Nervensystem genannt, da es all die oben erwähnten Funktionen autonom, das heisst unwillkürlich steuert. Es setzt sich zusammen aus dem parasympathischen Nervensystem, dem sympathischen Nervensystem und dem enterischen Nervensystem. Letzteres ist ein komplexes Geflecht von Nervenzellen, welches den gesamten Verdauungstrakt durchzieht. Es kann selbstständig arbeiten, unterliegt jedoch den Einflüssen des Sympathikus und Parasympathikus. 

Wenn wir gestresst sind, fühlen wir uns meist bedroht. Unmittelbar setzt eine Kampf-, Flucht- oder wenn es dann ganz schlimm wird, eine Schockreaktion ein (fight-flight-freeze). Unser ganzer Körper wird in Alarmbereitschaft gesetzt. Die grundlegenden Lebensfunktionen unseres Körpers werden zunächst runter reguliert, damit unsere ganze Energie für den Kampf oder Flucht zur Verfügung steht. In dieser Phase ist der Sympathikus aktiv. Dieser tief verankerte Mechanismus war und ist für unser Überleben essentiell. Es ermöglicht uns blitzschnell, auf akute Gefahrensituationen zu reagieren. Früher war es die Flucht vor dem Säbelzahntiger. Heute sind es alltägliche Situation, wie z.B. auf der Arbeit oder in Beziehungen mit anderen Menschen. 

Damit unser Organismus diese Stressreaktionen ausbalancieren kann, braucht es immer wieder Phasen, in denen er sich erholt. Dann wird der Parasympathikus aktiv. Jener Teil des Nervensystems, der die vielen lebenswichtigen Funktionen unseres Körpers wieder aktiviert, wie zum Beispiel die Verdauung und Stoffwechsel. Unser Organismus regeneriert und bereitet sich somit auf die nächste Herausforderung vor, die wartet.

Das klingt eigentlich alles ganz plausibel und einfach. Sympathikus und Parasympathikus wirken als Gegenspieler zwischen „Gas geben“ und „Erholung“. Im Alltag ist dies jedoch sehr schwer wahrzunehmen. Komplexität und Vielschichtigkeit begleiten uns täglich, sodass es für uns nur noch schwer erkennbar ist, welche Art von Stress gerade abläuft. Ob es interne oder externe Stressauslöser sind. Und auch wie lange wir schon im Stresszustand hängen.

Unser System besitzt nicht die Funktion zu unterscheiden, ob die Bedrohung wirklich real ist oder ob es unsere eigenen Gedankenkreisläufe sind, die uns im Stress gefangen halten. Vieles läuft unbewusst ab. Dabei spielen diverse Verhaltensmuster und Stressbewältigungsstrategien, die wir uns im Laufe des Lebens angeeignet haben, eine zentrale Rolle.

Häufen sich diese Stressreaktionen, kommt es irgendwann zu einer Übererregbarkeit, was dann problematisch wird, wenn diese über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt. Nebst all den physiologischen Folgeerscheinungen sind oftmals weitere Effekte, wie Angst, Furcht, Panik, Zorn oder Wut die Folge.  Dieser Zustand macht uns krank – psychisch und/oder physisch. Und dann wird es sehr schwierig, kognitiv einen Zugang zu den eigenen Gedankenkreisläufen zu bekommen, ohne sich im eigenen Strudel zu verlieren.

Und genau hier setzt meine Arbeit an. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Regulation des eigenen Nervensystems eine Schlüsselrolle spielt, um aus der Gefangenschaft der eigenen Stressreaktion heraus zu kommen. Erst dann besitzen wir die Kapazität, hinter die Kulissen zu schauen. Um Klarheit zu finden. Wie ich dies in meiner Arbeit anwende, erzähle ich dir im nächsten Artikel.

Karolin

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